Sondrio-Fluglager 2012...

wie jedes Jahr starteten auch dieses Frühjahr wieder einige Piloten mit Discus, LS-8 und "Mini Arcus" gen Süden um in Sondrio eine Flugwoche mit Wellenfliegen zu verbringen.

 

Freitag, 09.03.2012 Abfahrt!

Um 19:30 Uhr wurde bei Michael zur Abfahrt geblasen. Mit den 3 Gespannen wurde die erste Etappe mit dem Ziel Tankstelle Reutte in Angriff genommen. Nach einer kleinen Stärkung (Cappuchino mit LKW) ging es weiter über den Fernpass, durchs Engadin und über den Bernina-Pass. Dieses Mal wurde kein Wild gesichtet! Pünktlich um 3 Uhr stellten wir die Hänger auf dem Flugplatz ab und konnten noch ein paar Stunden schlafen.

Kurz vor der Weiterfahrt in Reutte

In den Tagesberichten werden wir die Eine oder andere Ortsangabe machen. Zur besseren Orientierung sind auf der nachfolgenden 3D-Ansicht die wesentlichen geographischen Merkmale beschriftet. 

Übersichtskarte des fliegerischen Aktionsradius in Sondrio



 Samstag, 10.03.2012: Der erste Tag

Der erste Tag begann nach einer sehr kurzen Nacht mit einem ausgewogenen Frühstück, bei dem Michael anstatt der vorhergesagten 4/8 Bewölkung "1 Dunstel" zu melden hatte, nachdem er das Wetter fachmännisch interpretiert hatte. Seine Aussage bestätigte sich im Laufe des Tages. Die thermischen Bedingungen zeigten sich so, dass wir nun jegliche Eichhörnchen und Tannenzapfen der Hänge in der Nähe Flugplatzes kennen, jedoch nie über die Berge hinwegsehen konnten. Trotzdem wurden Flugzeiten von bis zu 2,5 Stunden erreicht und der erste Tag in Sondrio mit einem guten Essen beendet.

Die Besatzung unseres "MiniArcus" vor dem ersten Start 2012 in Sondrio

 


 Sonntag,11.03.2012

Auch der zweite Tag versprach besseres Wetter, als es schlussendlich war. Dank einer etwas höheren Absinkinversion als am Vortag, war es uns vergönnt, sich etwa doppelt so hoch "zu basteln" wie gestern, aber es hat trotz der schweißtreibenden Arbeit nicht zum Einstieg in die Welle gereicht. Auch diesen Tag haben wir mit einem guten Essen in unserer Unterkunft ausklingen lassen und hoffen auf den nächsten Tag mit einer evtl. besseren Wetterkonstellation.

Unsere LS8 mit Jörg beim Kampf um Höhengewinn

 


 Montag, 12.03.2012

Motto des Tages: "Man braucht immer wieder einen Dummen"

Mit dieser Aussage versüßte uns Michael in einer entspannten Runde den Abend.

Mit dieser auch doppeldeutig auslegbaren Aussage brachte er zum Ausdruck, dass sich heute die Besatzung des Mini Arcus auf etwas unkonventionelle Weise direkt ins Valmalenco hat schleppen lassen. Diese Entscheidung endete in einen grandiosen Flug. Hat sich doch das Kämpfen der letzten zwei Tage gelohnt und wir wurden durch eine unerwartete Wellenausbildung entschädigt. Unser Duo schaffte es bis zu einer Spitzenhöhe von 4500 Meter MSL und auch unsere LS8 war in der Welle unterwegs. Eingestiegen sind wir recht sportlich in 1700 Meter über Platz im "Valmalenco" am Scalinograt mit Anfangssteigwerten bis zu 5 m/s. Dies zog sich bis zum Mt.Scalino recht gleichmäßig im "Rotorkampf" fort und plötzlich wurde es in ca. 3800 Meter MSL laminar. Auch die Welle hatte zunächst bombastische Anfangswerte, welche aber wieder zurückgingen auf ca. 2-3 m/s.

Abends während dem Abrüsten der Einsitzer bot sich ein grandioser Anblick am Himmel über uns.

Thorsten taufte die wunderschön von der Sonne angestrahlte Lenti auf den Namen "Qualle" und wir genossen den Anblick dieses Naturschauspiels.


Die Besatzung des "Mini Arcus" bei der intensiven Startvorbereitung.


Blick aus ca. 4500 Meter in Richtung Poschavio-Tal (links der Bernina-Gipfel)


Die von Thorsten auf den Namen "Qualle" getaufe Lenti. (Blick Richtung Comer-See)

 


 Dienstag, 13.03.2012: "später Start, hohes Glück"

Heute versprach das Briefing einen weiteren guten Tag. Es wurden mit hoher Wahrscheinkeit Wellen und brauchbare Thermik vorhergesagt. Der Pinguin (so wird der Wettertester in der Flugschule Oerlinghausen genannt) hat zwar tapfer gekämpft, ist aber nach einem 2200m-F-Schlepp nahezu im Gleitflug wieder gelandet. Das Wetter hat sich gegen die Briefingvorhersagen entschieden. Es stellte sich eine gewisse Trägheit ein. Thosten schlief einfach ein und kassierte prompt einen Sonnenbrand im Gesicht - er war mal wieder der Dumme....

Gegen 15:00 Uhr wachte Thorsten - auf dem Asphalt der Startbahn schnarchend - auf, weil plötzlich der Duo an ihm vorbeigeschoben wurde. Es wurde gerade durch einen "Lustschlepp" festgestellt, dass im Valmalenco die Thermik und Wellentätigkeit begonnen hatte. Jörg war am schnellsten, startet mit der LS8 und hat prompt den Einstieg in die Welle gefunden. Das war das finale Startsignal für alle zweifelden Piloten, um einen herrlichen Nachmittag (mehr war von dem Tag nicht mehr übrig) in der Welle mit grandiosen Steigwerten zu verbringen. Mit viel Glück hatte es auch der Duo innerhalb von 38 Minuten geschafft, in 4000m in die Welle einzusteigen. Leider konnte der Discus erst sehr spät starten und gehörte nicht zu den "Lucky Ones".

Von der Bernina-Welle, die uns in die üblichen 4600 mNN plus "Märchensteuer" brachte, konnten wir "laminare" Ausflüge zum Comer See und bis Bellinzona unternehmen. Alle haben den Tag bis zum Sunset genutzt und benötigten abends doch einige Zeit, das doch unerwartete Glück der heutigen Höhenflüge zu verarbeiten.

Während des Flugs bot sich die Möglichkeit, einige schöne Flugzeugaufnahmen zu machen. Das beste Bild seht ihr hier:

Duo und LS8 im Verbandsflug in der Welle

Selbst das Flugzeug war von den optischen Eindrücken so überwältigt, dass es ihm fast das Blech wegflog - na ja, tatsächlich war es die Spaltabdichtung des rechten Querruders, die seit diesem Flug fehlt....



 Mittwoch, 14.03.2012: Michels Hochdruck-Dunstel schlägt zu

Sonne satt, hohe Temperaturen und angeblich zunehmender Wind in der Höhe. Aber schon beim Briefing deutete der von Christoph ("Cheffluglehrer" von Oerlinghausen) gebastelte Temp auf eine mittlere Katastrophe hin. Mit Thermik ist wohl erst oberhalb von 2000m zu rechnen. Der Piguinflug bestätigte dies. Christoph kämpfte mit der DG1000 thermisch am Mt.Motta, Wellen gab es heute leider nicht. Die F-Schlepps ins Valmalenco waren sehr lang, leider stand heute nur eine Schleppmaschine zur Verfügung. Dadurch konnten der Duo und die LS8 erst am späten Nachmittag starten. Inzwischen war die Sicht durch den von der Po-Ebene "reindrückenden" Dunst stark zurückgegangen. Die beiden Flieger nutzen eine zarte Umkehrthermik in Talmitte über dem Flugplatz und landeten nach etwa eineinhalb Stunden.

Michels "Dunstel"

Während des Wartens am Nachmittag beschäftigte man sich mit den verschiedensten Themen und beobachtete unter anderem das Umfeld des Flugplatzes mit dem flugschuleigenen Fernglas sehr genau (um den Flugplatz herum befindet sich unter anderem ein Golfplatz, auf dem sich Spieler und Spielerinnen von Loch zu Loch bewegen...).

15:00 Uhr am Nachmittag: was gibts da drüben??

Dieser Tag war also bezüglich fliegerischer Euphorie zu neutralisieren. Um so mehr freuten wir uns auf unser 5-Gänge-Menü von unserem Wirt Osvaldo in der Trattoria Traversi. Heute ist es uns gelungen, ein Dinner-Bild festzuhalten.


Quartett mit Osvaldo



Donnerstag, 15.03.2012: eine stabile Angelegenheit

Für den heutigen Tag zeigte Christophs Temp-Auswertung eine stabile Luftschichtung bis über 2000m. Erst darüber war mit labileren Verhältnissen zu rechnen und Thermik zu erwarten. Also viel Arbeit für unserem Schlepp-Cowboy Sirko mit seinem Pony (die Schleppmaschine wird zwar Pawnee geschrieben, aber egal...).


Schlepp-Cowboy Sirko in der Pawnee

Mit einem 2400-, 2600- und 2100-Meter-Schlepp (wir verraten an dieser Stelle nicht die Startreihenfolge) ging es für die Piloten ab 14:00 Uhr an den Mt. Motta. Nach anfänglichem Kampf konnten wir Höhen von fast 3000m erreichen und kleine Ausflüge in der gesamten Bernina-Gruppe unternehmen. Dabei flogen wir in nächster Nähe an den felsigen Steilwänden und Gletscher. Dies war ein besonders eindruckvolles Erlebnis.


Über dem Bernina
Gegen späten Nachmittag ließ die Thermik in der Bernina-Umgebung nach und wir konnten gute Aufwinde am Scalino-Grat nutzen und noch sehr schöne Höhen erreichen. Die Zeit bis zur Landung gegen 18:30 Uhr nutzen wir für einen Gleitflug durchs Adda-Tal in Richtung Comer See und genossen einen dunstigen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang über dem Adda-Tal



Freitag, 16.03.2012: Der letzte Tag

Jörg ist schon seit heute morgen 5:00 Uhr in Richtung Heimat unterwegs, der Rest wird heute abend folgen. Mal sehen, was uns das Wetter noch heute "auftischt"....

Der letzte Tag brachte die selben stabilen Bedingungen wie am Vortag. Da wir den Duo noch abbauen mussten und sich die durch die Wetterlage erzwungenen "Rockefeller"-Schlepps nicht gelohnt hätten, haben sich die drei Verbliebenen Heubacher für einen entspannten Tag in Sondrio entschieden.Nachdem Christoph das Briefing beendet hatte, gingen Thorsten und Johannes erst mal in den "Iperal" um einen Hamsterkauf für das gesamte Jahr zu tätigen. Zurück auf dem Flugplatz machten wir uns daran den Duo in den Hänger zu verladen, die Einkäufe teils im Auto, teils im Hänger zu verstauen und fuhren dann nach Sondrio. Nach einem Besuch in der Eisdiele bummelten wir noch etwas durch Sondrio, bevor wir zurück zum Platz fuhren um uns kurz nach Sunset von den übrigen Teilnehmern, sowie dem Team der Segelflugschule Oerlinghausen zu verabschieden. Die Jungs der Flugschule waren von dem Abschied so gerührt, dass sie uns zum Abschied mit ihren Taschentüchern zu winkten.

Zusammenfassend kann man die vergangene Woche zu einen der erfolgreichsten der "Sondrio-Ära" zählen und wir freuen uns auf die nächste Episode.

Schlepp-Cowboy Sirko und Christoph beim "Abschied"

 


Letzte Aktualisierung am 29.03.2012 (fw)