Nur Fliegen ist schöner...

ein Erfahrungsbericht von Nico Schäffauer (16), Flugschüler 

Wenn ich in der Schule von meinem Hobby erzähle, bekomme ich meistens nur Antworten wie "Des is doch voll langweilig" oder "Die Flieger sind doch eh voll langsam" zu hören. Bei den meisten meiner Freunde zählt eben nur "Zocken" am PC oder "Mofafahren".
Dass es aber auch Hobbys gibt, die Spaß machen, daran denken die Wenigsten.

Warum Segelfliegen...?

Ja warum eigentlich? Was fasziniert mich daran? Mann kann es eigentlich nicht beschreiben. Es ist eine Rundum-Faszination. Das Geräusch, dass man hört wenn man über die Landschaft fliegt ist... gar nicht da. Man hört nämlich überhaupt nichts.

Außer vielleicht manchmal die Anweisungen des Fluglehrers, aber sonst nichts. Das ist schon beeindruckend, wenn man sieht, dass man ohne Motor überhaupt fliegen kann. Und das ist nicht immer nur ein Starten und Landen,nein, man kann ohne Motor auch eine ziemlich weite Strecke hinter sich legen. Man kann auch nicht einfach sagen:" Heute fliege ich von A nach B". Wechselt das Wetter auf einmal oder setzt die Thermik aus, wird es spannend...  Und das Segelfliegen wird dadurch auch erst richtig zu einem, man kann schon fast sagen, Abenteuer. Wenn man sich dann noch mit einem Freund in dieses "Abenteuer" stürzt, ist der Spaß garantiert und man nimmt dafür sogar in Kauf, dass man im schlimmsten Fall einem wildfremdem Acker "Hallo" sagen muss. Dafür freut sich dann der "Rückholdienst" umso mehr auf ein deftiges Vesper.


Aller Anfang ist...der Beginn eines tollen Hobbys

Wie kommt so einer wie ich eigentlich zum Segelfliegen? Nun, Flugzeuge und das Fliegen haben mich eigentlich schon immer fasziniert. Als ich als Kind zum ersten Mal mit einem Flugzeug flog, hab ich mir gesagt:" Später wirst du auch mal Chef von vielen Stewardessen..." Und als ich dann mitbekommen hab, dass man mit dem Segelfliegen schon mit 14 Jahren beginnen kann, hab ich natürlich gleich die Gelegenheit am Schopf gepackt.

An einem Julisonntag im Jahr 2010 bin ich dann mal auf den Amalienhof nach Bartholomä. Dort fliegt nämlich die Fliegergruppe-Heubach die ganze Saison über. Und zwar jedes Wochenende, wenn dass Wetter es gut mit uns meint. Auf dem Flugplatz wurde ich dann auch freundlich empfangen und man hat mich auch gleich auf einen Flug eingeladen. Ich hab dann auch gleich gemerkt:" Ja das ist es! Das wird dein neues Hobby!" Denn das wichtigste ist einfach, dass die Leute nett sind und man sich wohlfühlt. Und bis jetzt kann ich mich nicht beschweren.


Lernen, ohne das man es merkt 

Ja richtig! Ich habt euch nicht verlesen. Wer hat schon Bock in seiner Freizeit etwas zu lernen? Klar, man muss die fliegerischen Fähigkeiten erlernen, aber das mein ich nicht. Wir sind kein großer Verein, aber das ist auch nicht schlimm. Denn Jeder ist auf Jeden angewiesen. Und dabei lernt man eben viele wichtige Dinge, die man später vor allem im Berufsleben brauchen kann: Teamwork, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtbewusstsein, Hilfbereitschaft, und und und. Jeder muss im Jahr eben ein paar mal einen Dienst übernehmen. Die Starts schreiben, die Winde bedienen, den Seilrückhohlwagen fahren usw. Dann ist es eben wichtig, dass man da ist und für seinen Dienst die Verantwortung übernimmt, damit

der Flugbetrieb reibungslos verlaufen kann. Doch nicht nur das:

Wo gibt's so was, dass ein 14-jähriger schon Auto fährt? Bei uns natürlich. Um die Seile an der Winde auszuziehen, braucht man ein Auto. Es wird einem schnell gezeigt, wie man das Auto fährt, damit man auch einmal den Seilrückhohl-Dienst übernehmen kann. Was gut daran ist: Man lernt es eben, ohne dass man es merkt, weil es einfach Spaß macht. Man bekommt schon ein bisschen ein Gefühl für's Autofahren und kann dadurch später in der Fahrschule ein paar Fahrstunden und somit auch Geld einsparen.

Ist man zwischen 14 und 25 Jahren alt, wird man auch gleichzeitig zum Vereinseintritt in die Jugendgruppe aufgenommen.Dort ist eigentlich immer was los. Man hat immer viel Spaß zusammen, egal ob beim Fliegen, beim Silvesterfeiern, beim Übernachten in unserem Fliegerheim,.... es vergeht eigentlich kein Wochenende, an dem nichts abgeht. Deswegen freut man sich immer auf die Wochenenden, um von der "harten" Schulwoche auszuspannen und sich einfach mal den "wichtigen" Dingen im Leben zu wittmen. In den Oster-, Pfingst-, und Sommerferien gibt es auch immer die Fluglager. Da fliegen wir dann immer eine ganze Woche (in den Sommerferien auch zwei). Als Flugschüler kann man die Fluglager immer gut für die Ausbildung nutzen. Abends, wenn die Flieger dann in der Halle sind, sitzt man noch gemütlich zusammen und grillt, isst Wurstsalat oder fliegt mal kurz nach Italien um Spaghetti mit Tomatensoße einzukaufen.

Wie geht's jetzt weiter?

Wenn man sich aber noch nicht entscheiden kann, ob dass wirklich was für einen ist, gibt es eine gute Möglichkeit, dies auszutesten: den Schnupperkurs. Ich habe von 2 Jahren auch mit einem Schnupperkurs begonnen. Dieser beeinhaltet 20 Starts. Die Dauer der Flüge kommen dann immer auf die Lust und Laune des Fluglehrers an... Man lernt in diesen 20 Starts die Grundlagen des Fliegens. Wie starte ich mit einem Flugzeug ohne Motor? Wie steuere ich ein Segelflugzeug? Wie gewinne ich Höhe? Wie lande ich ein Flugzeug sicher? Die Antworten auf die Fragen bekommt man dann im Laufe dieser 20 Starts. Wenn man sich dann entscheidet, seinem Leben einen Sinn zu geben und sich zum Segelflugpiloten ausbilden zu lassen, werden diese 20 Starts mit angerechnet und die "richtige" Ausbildung kann beginnen.

Zuerst sind dann wieder die Grundlegenden Dinge dran. Man stellt sich also Dingen wie dem Steuern, dem Thermikfliegen und diversen Seilrissübungen, wenn dem Fluglehrer mal wieder die Hand jucken sollte. Hat man dann so zwischen 50 bis 100 Starts und der Fluglehrer ist mit einem zufrieden, hat man ihn endlich los und oben seine Ruhe. Denn dann darf man alleine Fliegen.

Der erste Alleinflug war für mich schon ein spannender Moment. Obwohl man eigentlich alles sicher beherrscht, überkommt einen doch ein gewisser Nervenkitzel. Man sitzt im Flieger und hofft erst mal, dass das Seil der Starwinde niemals straff werden wird doch dann.... gibt es kein Entrinnen mehr und man hebt ab. Das Ausklinken auf der Ausgangshöhe, die ersten Kurven und zu wissen: ICH hab's geschafft. ICH kann dieses Flugzeug jetzt alleine steuern. Da kann man richtig stolz drauf sein, denn das kann nicht jeder von sich behaupten, dass er ein Flugzeug mit 14 Jahren schon allein steuern kann. Da werden selbst die "zockenden Mofafahrer" nachdenklich. Nach der ersten Landung geht's dann auch schon gleich wieder weiter. Insgesamt müssen dann 3 Alleinflüge hintereinander gemacht werden, um die sogenannte A-Prüfung zu bestehen.

Am Abend folgt dann die altbewährte Traditon: das "Verklopfen". Hier wird man nicht mit den Flügeln des vorher benutzten Flugzeuges verdroschen, sondern bekommt von jedem Vereinsmitglied eines auf den Allerwertesten.

Ich bin momentan in der zweiten Ausbildungsphase. Wie die abläuft? Was sonst noch alles folgt? Auf den Seiten unserer Homepage könnt ihr euch darüber noch informieren. Und falls euch mein "Erfahrungsbericht" angeregt hat, die Gamermouse an die Wand zu klatschen und mit einem wunderbaren und spannenden Hobby anzufangen, dann schwingt euch auf euer Mofa ( dafür ist es jetzt gut) und kommt am Wochenende mal auf unseren Flugplatz. Wir sind dann gerne bereit, auf eure Fragen und Anregeungen einzugehen und hoffen, euch bald als neues Vereinsmitglied begrüßen zu dürfen.

Nico Schäffauer



Letzte Aktualisierung am 26.05.2012 (fw)